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Was ist Schmerz?
Schmerz ist ein Warnsignal unseres Körpers – wie ein Wachhund, der uns sagt: „Achtung, hier stimmt etwas nicht!“ Meistens spüren wir Schmerzen, wenn wir uns verletzen oder etwas im Körper nicht in Ordnung ist. So schützt uns der Schmerz davor, uns weiter zu schaden.
Aber Schmerz ist nicht nur ein körperliches Gefühl. Er geht oft mit starken Emotionen wie Angst, Wut oder Hilflosigkeit einher. Besonders, wenn Schmerzen lange anhalten, kann das sehr belasten und die Lebensqualität stark einschränken.
Man unterscheidet zwischen akutem Schmerz, der auf eine akute Verletzung oder Krankheit hinweist, und chronischem Schmerz, der länger als sechs Monate andauert und selbst zur Krankheit werden kann. Hierbei handelt es sich um eine schwerwiegende, körperliche und seelische Störung mit tief liegenden komplexen Ursachen.
Kurz gesagt: Schmerz ist mehr als nur ein körperliches Signal – er betrifft immer auch unsere Gefühle und unsere Seele. Deshalb braucht es oft einen ganzheitlichen Blick, um ihn gut zu verstehen und zu behandeln.
Die Suche nach der Ursache – wie geht man vor?
Die Suche nach der Ursache von Schmerzen ist oft wie Detektivarbeit. Schmerzen entstehen selten nur durch eine einzige Sache – meistens spielen der Körper, die Psyche und das soziale Umfeld zusammen. Zum Beispiel können anhaltende Schmerzen traurig oder ängstlich machen, und umgekehrt können Stress oder seelische Belastungen den Körper empfindlicher für Schmerzen machen.
Deshalb schauen Ärzte und Experten heute nicht nur auf den Körper, sondern auch darauf, wie es einem Menschen seelisch geht und was im Leben gerade los ist. Man spricht mit den Patienten, untersucht sie gründlich und bezieht manchmal auch Psychologen oder andere Fachleute mit ein. So setzt man nach und nach die einzelnen Puzzleteile zusammen, um die Ursache zu finden.
Wichtig ist: Jeder Mensch ist anders, und Schmerzen haben viele Gesichter. Deshalb braucht es immer eine individuelle und ganzheitliche Betrachtung. Oft gibt es keine schnelle Lösung, aber gemeinsam kann man einen Weg finden, die Schmerzen besser zu verstehen und zu behandeln.
Was tun, wenn Schmerzen nicht aufhören?
Wenn Schmerzen über lange Zeit bleiben, ist es oft schwierig, sie ganz loszuwerden. Das Ziel ist dann, den Schmerz und seine Ursachen zu verstehen, Wege zur Linderung zu finden und ihm im Alltag weniger Raum zu geben. Es gibt zwar meist keine schnelle Lösung, aber es gibt einen Weg!
Wichtig ist, dass der Patient aktiv mitarbeitet. Unser Körper hat ein großes Selbstheilungspotenzial, aber dafür braucht er Unterstützung: Entspannung, regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und Stressabbau helfen, Körper und Seele zu entlasten. Oft muss man auch wieder Ordnung in sein Leben bringen und neue Wege finden, mit dem Schmerz umzugehen.
Wir helfen dabei mit Schulungen zu Themen wie Schlaf, Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung. Geduld und Durchhaltevermögen sind wichtig, denn Veränderungen brauchen Zeit.
Am besten hilft eine Kombination aus medizinischer Behandlung, dem Bearbeiten seelischer und sozialer Belastungen und der eigenen Fürsorge. So kann man lernen, den Schmerz zwar nicht immer zu besiegen, aber besser mit ihm zu leben.
Wie entstehen Schmerzen durch soziale oder seelische Ursachen?
Körper und Seele sind eng miteinander verbunden. Wir Menschen leben in Beziehungen und werden stark von unserem Umfeld beeinflusst. Wenn es in unserem sozialen Leben – zum Beispiel in der Familie, im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz – viel Stress, Streit oder Einsamkeit gibt, kann das unseren Körper belasten.
Starke Gefühle wie Angst, Trauer, Wut oder Überforderung führen oft dazu, dass wir uns unbewusst anspannen. Diese dauerhafte Anspannung kann sich dann als körperlicher Schmerz bemerkbar machen, zum Beispiel als Kopf-, Rücken- oder Bauchschmerzen.
Manchmal erkennt unser Gehirn nicht, dass der Ursprung des Schmerzes eigentlich seelisch ist, und „übersetzt“ diesen in körperliche Beschwerden. Das passiert vor allem, wenn wir unsere Gefühle nicht richtig wahrnehmen oder ausdrücken können.
Diese Schmerzen fühlen sich genauso an wie Schmerzen durch eine körperliche Verletzung. Das liegt daran, dass unser Nervensystem für die Verarbeitung von Stress und Schmerz zuständig ist – egal, ob der Auslöser körperlich oder seelisch ist.
Sind Schmerzen durch psychische Ursachen echt oder nur eingebildet?
Schmerzen, die durch psychische Ursachen entstehen, sind absolut echt – sie sind nicht eingebildet oder „nur im Kopf“. Das Erleben im Gehirn ist bei seelisch bedingten Schmerzen genauso real wie bei Schmerzen durch eine körperliche Verletzung. Oft können diese Schmerzen sogar besonders stark empfunden werden, weil sie schwer einzuordnen sind und Betroffene sich manchmal nicht ernst genommen fühlen.
Der Unterschied liegt nur in der Ursache: Während bei körperlichen Schmerzen meist eine Verletzung oder Erkrankung vorliegt, entstehen psychisch bedingte Schmerzen durch Stress, seelische Belastungen, Ängste oder Depressionen. Diese Faktoren beeinflussen das Nervensystem und können zu echten körperlichen Beschwerden führen, zum Beispiel Kopf-, Rücken- oder Bauchschmerzen.
Wichtig ist: Auch wenn keine körperliche Ursache gefunden wird, sind die Schmerzen real und müssen ernst genommen und behandelt werden. Körper und Psyche wirken eng zusammen – deshalb ist es sinnvoll, bei Schmerzen immer auch auf das seelische Wohlbefinden zu achten.
Kann man Schmerzen einfach wegdenken?
Nein,
Für die meisten Menschen ist das aber kaum machbar, weil Schmerzen sich sehr stark bemerkbar machen und das Denken dominieren. Schmerzen können die Welt um uns herum sehr klein erscheinen lassen und uns einsam auf unsere Existenz zurückwerfen.
Die große Herausforderung ist es, trotz chronischer Schmerzen einen geistigen Freiraum zu bewahren. Das gelingt durch einen Prozess der Akzeptanz, der oft durch psychologische Schmerztherapie unterstützt wird.
Man bemüht sich, den Schmerz im Gehirn umzubewerten: Man hört auf, gegen den Schmerz anzukämpfen und akzeptiert ihn als einen Begleiter im Leben. Das verringert den Schmerz nicht unbedingt, aber es lindert das Leid, das durch den Schmerz entsteht.
Sollte man Schmerzen bekämpfen oder akzeptieren?
Am besten ist eine Mischung aus beidem. Zuerst sollte immer abgeklärt werden, ob es körperliche oder sogenannte funktionelle Ursachen gibt. Die sollten dann behandelt werden.
Es gibt aber auch Beschwerden ohne erkennbare körperliche Krankheit – man spricht man auch von psychosomatischen Ursachen, also wenn Körper und Seele zusammenwirken.
Medikamente helfen oft nicht ausreichend.
Dann, ist es wichtig, sich auch mit dem Thema Akzeptanz auseinanderzusetzen.
Das bedeutet: Man lernt, den Schmerz nicht ständig zu bekämpfen, sondern ihn als Teil des Lebens zu akzeptieren. Dadurch wird der Schmerz zwar nicht unbedingt weniger, aber das Leiden darunter kann deutlich abnehmen.
Tabletten als Allheilmittel?
Es gibt für einzelnen Erkrankungen sehr gute Medikamente und Behandlungsoptionen.
Unterm Strich muss man allerdings sagen, das bei den schweren chronischen Verläufen alle Maßnahmen nur bei einem Drittel der Patienten zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen.
Beispiel Nervenschmerzen: diese können mit einem Schmerzmittel lediglich bei einem 1/3 der Betroffenen um 30 bis 50 Prozent gelindert werden.
Selbst unter der Verabreichung der stärksten Schmerzmittel, den sogenannten Opioden fällt die Bilanz bei nicht-tumorbedingten Schmerzen nicht besser aus. Zudem entstehen oft erhebliche Nebenwirkungen, wie wie Stuhlverstopfung, Verlust der Libido, Schwitzen, Tagesmüdigkeit und andere zentralnervöse Beeinträchtigungen (Gangunsicherheit und Abhängigkeitsentwicklungen etc.)
Cannabis gegen Schmerzen….
Cannabis ist kein Wundermittel, kann aber für ausgewählte Patienten mit chronischen, schwer behandelbaren Schmerzen eine nützliche Option sein – insbesondere, wenn andere Therapien versagen oder nicht vertragen werden.
Als Schmerzmittel erfüllt es womöglich nicht die groß geschürten Erwartungen. Es ist ein schwaches Schmerzmittel. Aber bei chronischem Schmerz (vor allem Tumorschmerz oder Nervenschmerzen) ist es eine gute Ergänzung der Behandlung, da es eine Stimmverbesserung und Appetitzunahme bewirkt. Es hilft zur Entspannung des Körpers und der Seele. Der Schmerz wir nicht weniger, aber wird erträglicher. Natürlich hat vieles im Leben seine Nebenwirkungen. Vor allem das ZNS (Zentralnervensystem) ist dafür sehr empfänglich. Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsstörungen oder Herzrhythmusstörungen sind oftmals gängige Begleiterscheinungen. Deshalb muss die Therapie stets individuell abgestimmt werden.
Merke: Cannabis behandelt nicht die eigentlichen Ursachen des Schmerzes.
Die Therapie sollte immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, da Nebenwirkungen häufig sind und die Langzeitfolgen noch nicht abschließend geklärt sind.
Muss man ab einem gewissen Alter Schmerzen akzeptieren und mit ihnen leben?
Mit zunehmendem Alter treten Schmerzen tatsächlich häufiger auf, weil das Risiko für chronische Erkrankungen wie Arthrose oder Nervenschäden steigt. Dennoch bedeutet das nicht, dass man Schmerzen einfach hinnehmen und mit ihnen leben muss. Es ist wichtig, Schmerzen ernst zu nehmen und aktiv nach Möglichkeiten zur Linderung zu suchen – sei es durch Medikamente, Physiotherapie, Bewegung oder psychologische Unterstützung.
Oft lassen sich Schmerzen im Alter nicht vollständig beseitigen, aber sie können meist gelindert werden. Hier spielt auch die Akzeptanz eine wichtige Rolle: Wer lernt, mit den Schmerzen umzugehen und sie als Teil des Lebens zu akzeptieren, kann das Leiden spürbar verringern und die Lebensqualität erhalten. Das bedeutet nicht, aufzugeben – sondern einen guten Weg zu finden, mit den Schmerzen zu leben und trotzdem positive Erfahrungen zu machen.
Leid gehört zum Leben, aber wir können beeinflussen, wie sehr es uns belastet. Mit einer guten Mischung aus Behandlung, Bewegung, Achtsamkeit und Akzeptanz lässt sich auch im Alter ein erfülltes Leben führen – trotz Schmerzen.